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„Noch nicht zu spät, um Attestlehrstellen zu schaffen“
Jugendliche mit ungünstigen Bildungsvoraussetzungen haben es auf dem Lehrstellenmarkt besonders schwer. An der heutigen Medienkonferenz in Luzern riefen deshalb der kantonale Bildungsdirektor Anton Schwingruber und Nationalrat Otto Ineichen die Luzerner Unternehmen auf, vermehrt Attestlehrstellen zu schaffen.
Die obligatorische Schulzeit ist bald vorbei. Bei der Lehrstellensuche haben es lernschwächere Schulabgänger besonders schwer. Viele von ihnen sind in der regulären Lehre überfordert oder brauchen mehr Zeit, um das eidgenössische Fähigkeitszeugnis zu erwerben. Eine 2-jährige Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (kurz: Attestlehre) würde ihnen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Doch leider gibt es im Kanton Luzern noch immer viel zu wenige entsprechende Ausbildungsplätze. Dies obwohl die Gesamtzahl der Lehrverträge in den letzten Jahren signifikant gesteigert werden konnte.
Kein Wunder: Die Ausbildung von Jugendlichen mit schulischen oder sozialen Defiziten stellt die Berufsbildenden in den Lehrbetrieben immer wieder vor eine besondere Herausforderung. Dass der Betreuungsaufwand in einer Attestlehre höher ist als bei einer regulären Lehre, bestätigt auch Pius Burri, der im Betagtenzentrum St. Ulrich in Luthern seit zwei Jahren Küchenangestellte ausbildet. Trotzdem ist er ein überzeugter Anhänger der neuen Attestlehre, die gegenüber der früheren Anlehre vor allem zwei Vorteile biete: „Mit dem Attest haben die jungen Berufsleute einen klar definierten Kompetenznachweis, der ihre Arbeitsmarkfähigkeit erhöht.“ Ausserdem sei der Attest ein eidgenössisch anerkannter Abschluss, der es bei guten Leistungen erlaubt, das eidgenössische Fähigkeitszeugnis mit einer verkürzten Lehre nachzuholen. Kommt hinzu: Seit einem Jahr erhalten die Lehrmeister von besonders problematischen Jugendlichen auf Anfrage externe Unterstützung durch das neu geschaffene Instrument der Fachkundigen individuellen Begleitung (FiB).
„Durch die Schaffung zusätzlicher Attestlehrstellen eröffnen wir benachteiligten Jugendlichen zusätzliche Chancen für den Einstieg ins Berufsleben,“ erklärte der kantonale Bildungsdirektor Anton Schwingruber. Und er machte den jungen Lehrstellensuchenden Mut: „Aus Erfahrung wissen wir, dass die meisten Attestlehrstellen in den Monaten Juni, Juli und August vergeben werden.“ Deshalb sollen Jugendliche, die noch keine Lösung haben, sich unbedingt für Attestlehrstellen bewerben. Freie Plätze habe es vor allem als Fleischfachassistent, Polybaupraktiker und Schreinerpraktiker. Auf der anderen Seite rief Schwingruber die Luzerner Betriebe auf, kurzfristig zusätzliche 2-jährige Ausbildungsplätze schaffen. Gesucht würden Ausbildungsplätze in allen Attestberufen: vor allem in der Automobilbranche, der Gastronomie, der Hauswirtschaft, bei den Floristen, im Verkehrswegbau und auch im KV-Bereich, wo es ab Sommer neu die 2-jährige Attestausbildung zum Büroassistenten gibt. Die Attestausbildung führe nicht in eine Sackgasse, sagte Schwingruber, sondern ermögliche den Schulabgängern einen sanfteren Einstieg ins Berufsleben, indem sie dem individuellen Lerntempo Rechnung trage: «Den Traumberuf können sie später auf Umwegen immer noch finden. Das Berufsbildungssystem ist heute nämlich extrem durchlässig geworden.»
Unterstützung bei seinen Bemühungen erhält der Kanton vom Verein „Speranza 2000“, der vor zwei Jahren vom Luzerner FDP-Nationalrat Otto Ineichen initiiert wurde. Dabei überzeugen so genannte Networker andere Unternehmer, neue Attestlehrstellen zu schaffen. Ineichen ist überzeugt, dass Integration «der beste Weg ist, um unsere Sozialwerke langfristig zu sichern.» Ausserdem komme es der Industrie und dem Gewerbe, die sich jetzt schon mit Nachwuchssorgen herumschlagen, zu Gute, wenn auch prak¬tisch Begabte den Weg in die Berufswelt finden. Zumal diese Leute ihrem Beruf nicht selten ein Leben lang erhalten blieben. Arbeitsplätze mit einfachen, repetitiven Tätigkeiten gebe es in der Wirtschaft zur Genüge.
Am Ende der Konferenz überreichte Markus Koch, Leiter UBS Region Zentralschweiz, Nationalrat Otto Ineichen einen Scheck über 200'000 Franken zur Unterstützung der Aktivitäten des Vereins Speranza : « Wenn benachteiligte Jugendliche nachhaltig in den Arbeitsprozess integriert werden können, profitieren nicht nur die Jugendlichen selber, sondern auch der Staat und die Wirtschaft.» Wer daran interessiert ist, in seinem Betrieb einen 2-jährigen Ausbildungsplatz anzubieten, oder mehr über Attestlehren zu erfahren, kann sich im Internet unter www.beruf.ch oder www.speranza2000.ch informieren.
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